11 kurze Tipps zum Arrangieren

Unabhängig vom Musikstil gibt es im Wesentlichen zwei Arten, ein Stück zu Arrangieren:

A) Erfinden einer eigenen Fassung unter Verwendung vorgegebenen Materials, zB. einer Melodie. Satz, Harmonik und Form werden dabei selbst neu erstellt. Dies lässt einem grosse künstlerische Freiheit. Kompositorisches Geschick ist hier ebenso gefragt wie gute Kenntnisse in Harmonie- und Satzlehre, um ein stimmiges Ganzes zu schaffen.

B) Umsetzung eines Stückes für eine andere Besetzung möglichst nah an der Vorlage, also eher ein Uminstrumentieren. Satz, Harmonik, Form und Anlage bleiben bestehen und werden für die neue Besetzung spielbar gemacht. Dies ist im klassischen Bereich die häufigste Art; man muss nichts neu erfinden, aber den ursprünglichen Satz erfassen und verstehen, also den Kompositionsprozess nachvollziehen.

Egal, ob man sich für A), B) oder eine Mischform entscheidet, bestimmte  Grundsätze gelten immer.
Hier deshalb einige kurze Tipps zum Arrangieren:

1. besonderen Wert auf die Ausarbeitung der Bassstimme legen.
Als Fundament des Stückes ist der Bass das Wichtigste überhaupt. Hier Arbeit zu investieren, lohnt sich; eine unsauber gearbeitete Basslinie dagegen rächt sich.

2. minimalistisch in den Mitteln
das heisst zB.: sich für eine Begleitfigur entscheiden, und konsequent dabei
bleiben für den ganzen Abschnitt oder sogar das ganze Stück. Einfache Lösungen bevorzugen. Siehe auch: 4.

3. Instrumente ihrem Naturell gemäss behandeln
Man kann nicht alle Instrumente, für die man schreibt, genau kennen.
Trotzdem sollte man sich mit deren Spieltechnik, Tonumfang und klanglichen Eigenschaften vertraut machen. Grösstenteils die Instrumente in ihren Kernlagen verwenden. Extremlagen, besondere Spieltechniken und Schwierigkeiten für einzelne Momente, zB. musikalische Höhepunkte, aufsparen.

4. nicht zu viel aufeinmal hineinpacken
Zu viele verschiedene Ideen, Effekte etc. auf kleinen Raum unterbringen zu wollen, wirkt in der Regel nicht und macht schnell einen amateurhaften Eindruck. Dies wird leider oft sogar von professionellen Komponisten falsch gemacht. Hier ist meist weniger wirklich mehr.

5. oft anhören
Immer wieder zwischendurch das Geschriebene abhören, entweder mit dem Klavier oder vom Computer abgespielt. Auch mit etwas Abstand nach einer (Kaffee-) Pause oder einen Tag später. Lösungen bevorzugen, die auch nach dem 20sten mal hören mal nicht nerven.

6. Gründlichkeit geht vor
Erklärt sich von selbst, schnelles Arbeiten allein ist vollkommen wertlos.

7. möglichst viele Pausen schreiben
Jedem Musiker die Zeit zum Atmen, Erholen, Umblättern etc. geben.
Lieber mehr Pausen vorsehen und Noten sinnvoll reduzieren. Lohnt sich!

8. jedem Instrument Wichtiges geben
Einem Spieler durchgehend die Melodiestimme zu geben, und den anderen
nur Begleitfiguren, ist langweilig für Musiker und Publikum und fördert nicht gerade die Motivation. Jeder Spieler sollte wichtige Passagen bekommen.

9. viel Kaffee
Arrangieren ohne Kaffee ist vielleicht möglich, macht aber keinen Sinn.

10. sauberer Ton- und Notensatz
Strenge Tonsatzregeln sind nicht immer nötig, geben aber eine gute Basis für
einen ausgeglichenen Gesamtklang. Sich also an der Tonsatzlehre orientieren, ohne schulmeisterlich zu werden.
Desweiteren ist ein ordentlicher Notensatz für das Ergebnis beim Musizieren nicht zu unterschätzen. (Hier noch einmal 10 Tipps zum Arbeiten mit Notensatzprogrammen nachlesen)

11. Stückeauswahl
50% eines guten Arrangements macht schon vorab die Auswahl der Vorlage aus. Einige Stücke eignen sich hervoragend für bestimmte Besetzungen, andere machen schlichtweg keinen Sinn. Hier auch des Verhältnis von Aufwand und Ergebnis beachten. Nicht alles was möglich ist, ist auch gut. Dies erkennen und akzeptieren. Schrott gibt es schon genug!

Ideen für ein Stück gesucht? Vieleicht gibt es bei diesen zu unrecht vergessenen Komponisten einige Anregungen.